UNTERRICHTS-PRINZIPIEN
„Don't tell me what you believe. Show me how you treat other people, and I tell you what you believe.“ - James Talarico
Pareto-Prinzip (80/20-Regel)
20% der Kinder beötigen 80% deiner Aufmerksamkeit
20% der Eltern schicken dir 80% deiner Emails
aber auch:
20% der KollegInnen bringen dir 80% deiner guten Gespräche
20% der Kinder machen dir 80% deiner Freude am Job
und außerdem, in anderer Verwendung:
Wenn 80% deiner Stunden gut oder in Ordnung sind, reicht das.
und ganz extrem:
Im Nachhinein erinnern sich die Kinder an deine 5 besten Stunden (aus hunderten).
Sie erinnern sich an die zwei wichtigsten zwischenmenschlichen Momente mit dir (aus tausenden).
Parkinson'sches Gesetz
"It's vain to do with more, what can also be achieved with less." - William of Occam
Irrglaube: Mehr Aufwand in der Vorbereitung = eine bessere Unterrichtsstunde
Prinzip: eine Stunde Vorbereitung sollte zahlreiche Unterrichtsstunden ermöglichen. Und die Vorbereitung sollte nicht aus der Erstellung unnötiger Arbeitszettel, Quizzes oder aufwendiger Bastelübungen bestehen, sondern im Erlangen eines tiefen Verständnisses für die Materie und deren Kernideen. Dann kann die Methode flexibel an die jeweilige Gruppe angepasst werden.
„Practice your scales, practice your chords, and then forget all that shit and just play.“ - Charlie Parker
Outsourcing
...an die Kinder. Ihnen Verantwortung und Lernmöglichkeiten zu geben sorgt für eine Horizonterweiterung bei den Kindern und für eine sinnvolle Entlastung der Lehrkraft.
Beispiele: die Kinder erstellen selbst
- Übungsaufgaben zum derzeitigen Thema (kreative Schreibideen)
- einen detaillierten Plan für einen Lehrausgang
- eine Unterrichtsstunde
- ein Quiz zum Abschluss des Themas
Die Kinder lösen/verbessern/bewerten selbst die Aufgaben der anderen.
Die Lehrkraft überwacht und lenkt den Prozess.
Prinzip Lachen
In jeder einzelnen Stunde sollten die Lehrkraft und die Kinder mindestens einmal ehrlich miteinander lachen. Zumindest ein wenig. Vertrauen und Wohlwollen ergeben sich dann von selbst.
Das klappt vor allem dann, wenn du dich selbst und die Welt und unsere Rollen darin nicht ganz so ernst nimmt.
Schule ist nur Schule. Das Leben ist zu kurz, um es allzu ernst zu nehmen.
Wenn die Lehrkraft das verkörpert, dann färbt es auf die Kinder und deren Wahrnehmung der Welt ab.
Lernen von den Kindern
Bleib offen für Neues. Verfolge Trends ernsthaft, ohne auf sie herabzublicken. Bleib am Ball mit den neuesten Memes der Kinder. Nicht, um besser anzukommen, sondern um die Verbindung mit den Themen der Zeit nicht zu verlieren.
Hol dir zweimal pro Jahr Feedback. Frage: "Was gefällt dir gut an meinem Unterricht?" und dann: "Was kann ich als Lehrkraft tun, damit mein Unterricht noch besser wird?". Nimm die Vorschläge nicht wortwörtlich, aber achte auf die wiederkehrenden grundlegenden Ideen.
Vorbildwirkung
"Each person must live their life as a role model for others." - Rosa Parks
"You don't lead by pointing and telling people some place to go. You lead by going to that place and making a case." - Ken Kesey
“At the end of the day people won't remember what you said or did, but they will remember how you made them feel.” - Maya Angelou
Persönlichkeit ist wichtiger als Methoden. Es ist wesentlich wichtiger, ein guter Mensch und ein wertvolles Vorbild für Kinder zu sein, als ein Experte für sein Fach.
Die meisten Lehrpersonen reflektieren offenbar nicht, was es bedeuten würde, wenn sich alle Kinder auf Dauer so verhalten würden, wie es manche Lehrpersonen tagtäglich im Unterricht tun. Da wird runtergemacht, geschrien, sarkastisch kommentiert, befohlen, gedroht, pingelig bewertet und streng gerichtet. Eine Gesellschaft, in der sich alle Menschen so verhalten, ist eine absolute Horrorvorstellung.
Stattdessen sollten sich Lehrkräfte jene Eigenschaften vorleben, wie sie die zukünftigen Gesellschaft haben sollte:
- gutmütig (ehrliches Wohlwollen anderen gegenüber)
- emotional intelligent (die eigenen Gefühle zulassen und verarbeiten)
- verantwortungsbewusst (starting with the man in the mirror)
- authentisch (zu den eigenen Stärken, Schwächen und Präferenzen stehen)
- begeisterungsfähig (die Faszination anderer nachvollziehen können)
- großzügig (mit den jeweiligen Mitteln)
- bescheiden (Lob großzügig weitergeben, Kritik dankbar annehmen)
- gelassen (tiefe Zuversicht in die Zukunft)
- dankbar (für alles, was passiert)
Niemand ist perfekt. Aber es ist möglich, täglich daran zu arbeiten, alle diese Eigenschaften in sich zu fördern. Wenn eine Lehrkraft diese Eigenschaften verkörpert, ist sie automatisch ein Vorbild für Kinder (und andere Menschen).
Ein Kind vergisst vielleicht mit den Jahren fachliche Dinge, die es in deinem Unterricht gelernt hat. Es wird aber nie vergessen, wie du dich ihm und anderen gegenüber verhalten hast.
"If you want to change the future, start living as if you're already there." - Lynn Conway